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Ohne Plan der zu Dir passt, könnten sich Ablenkungen einschleichen, die Dir nicht gut tun.

vor 7 Stunden
4 Min. Lesezeit

Wer morgens nicht weiß, wofür er aufsteht, füllt die Leere des Tages trotzdem. Selten mit dem, was ihm guttut, meist mit dem, was am nächsten liegt: z. B. Scrollen, Grübeln, Essen, Daddeln, Aufschieben, das Glas Wein am frühen Nachmittag oder noch früher. 🫣. Wo kein motivierender Plan existiert der gute Gewohnheiten anstößt, der entwickelt Gewohnheiten die eher ungesund sind.

Mit Charakter hat das wenig zu tun. Die Marienthal-Studie hat es beschrieben: Als in einer ganzen Ortschaft die Arbeit wegfiel, hatten die Menschen plötzlich Zeit im Überfluss und verloren trotzdem das Gefühl für sie. Sie gingen langsamer, verabredeten sich seltener, der Tag zerfiel. Mit der Arbeit war das Gerüst verschwunden, das ihn getragen hatte.


Aber, ein Plan hilft nicht!

In Burnout-Kliniken und psychiatrischen Einrichtungen steht am Anfang fast immer ein Tagesablauf: aufstehen, essen, Bewegung, Pause, Abendeinheit. Das stabilisiert, solange die Struktur von außen kommt, vor allem wenn man selbst nicht dazu in der Lage ist, einer eigenen, gesunden Struktur nachzukommen. Offen bleibt, was geschieht, wenn niemand mehr den Rahmen vorgibt.🤔


Die PSI-Theorie gibt darauf eine Antwort. Selbstwirksamkeit entsteht nicht dadurch, dass ich mir etwas vornehme, sondern dadurch, dass mein Vorhaben mit dem verbunden ist, was ich im Kern will - was mich persönlich antriebt. Ein Plan, der nichts mit meinen Motiven und Bedürfnissen zu tun hat, bleibt ein Fremdauftrag, auch wenn ich ihn mir selbst gestellt habe. Er kostet Willenskraft, und die geht unter Stress als Erstes verloren. Dann übernimmt, was ohnehin automatisch läuft: die eingeschliffene Gewohnheit, die schnelle Entlastung, das Vertraute.

Ein Tagesplan trägt also nur, wenn er sich von innen gut anfühlt. Wer im Tun Freude und Wirksamkeit erlebt, braucht kaum Disziplin, weil der Antrieb aus der Sache selbst kommt. Wer nur durchhält, klappt irgendwann aus Erschöpfung zusammen. Und wer in schwierigen Momenten weder sich selbst motivieren noch beruhigen kann, bleibt im Grübeln stecken, statt ins Handeln zu kommen.


In der EOS-Diagnostik sehe ich genau das: Menschen gehen sehr unterschiedlich mit freier, unstrukturierter Zeit um, je nachdem, wie gut sie ihre Bedürfnisse spüren und ihre Gefühle regulieren können.


Haltung steht über einem Ergebnis

Ergebnisziele die ein konkretes Ziel als Ergebniss bennen („Der Umsatz 2027 soll um 7% auf X steigen“) und Verhaltensziele („Ich rufe täglich, 10 Bestandkunden an und erfrage einen weiteren Bedarf für zukünftige Aufträge, dabei spreche ich ...“) haben ihren Platz. Diese beiden Zieltypen funktionieren aber nur, wenn eine stimmige innere Haltung diese Ziele unterfüttern.

Mit einem Haltungsziel beschreibe ich, wer oder wie ich sein will, wie ich durch den Tag gehe um meine Ziele zu erreichen: Klar wie ein Bergsee, majestätisch wie ein Tiger, weise wie Gandalf zum Beispiel. Ein Haltungsziel wird stärker gefühlt als gedacht. Ähnlich wie ich mir ein Vorbild nehme, um meine innere Haltung durch dieses Vorbild zu unterstützen. "Mit etwas Monkfeeling – folge ich meinem Plan." oder "Auf meinem Surf-Brett halte ich Balance" sind Haltungsziele die hochindividuell und ausschließlich von Klienten entwickelt wurden, um ein gewünschtes Verhalten und das erwartete Ziel mit eine stimmigen innere Haltung mehr Selbstwirksamkeit zu fördern. Ein Haltunsgziel gibt dem Tag eine Richtung, die von meinen Klienten körperlich gespürt wird. Aus dieser Haltung wachsen Routinen, die man gern lebt, weil sie zu dem ersehnten Ziel passen.


Junge und Ältere sind ähnlich gefährdet

Für junge Menschen ist ein ungeregelter Alltag besonders heikel. Wer nie üben musste, seinen Schul- oder Arbeitstag selbst zu gliedern, weil andere das übernommen haben, steht mit der ersten freien Woche vor einer Freiheit, für die ihm das Handwerkszeug fehlt.

Bei Älteren sieht es nicht anders aus. Der Ruhestand, das Ende einer Führungsrolle, der Auszug der Kinder: Das Gerüst fällt weg und mit ihm das unausgesprochene Gebrauchtwerden. Wo dann kein Tag ist, in dem ich Freude und Wirksamkeit erlebe, rücken die ungünstigen Routinen nach. Der Fernseher läuft früher, der Wein kommt früher, der Rückzug wird zur Gewohnheit. Die Ernährung wird einseitiger. Schädigende Muster kennen keine Altersgrenze.


Was das für eine Zukunft mit mehr Freizeit bedeutet

Wenn KI uns Arbeit abnimmt oder die Arbeitszeit sinkt, geht ein Stück dieses Gerüsts verloren, dass uns geregelt leben lässt und damit Selbstwirksamkeit planbar macht. Für Menschen, die gelernt haben, sich den eigenen Tag zu sturktirierern, ist diese Fähigkeit ein Glücksfall. Allen anderen fehlt diese Fähigkeit und somit eine wichtige Fähigkeit ein erfülltes Leben zu leben.

Das betrifft nicht nur Einzelne. Eine Gesellschaft, in der viele täglich erleben, dass ihr Handeln etwas bewirkt, bleibt handlungsfähig. Fällt dieses Erleben bei vielen weg, wird Wirksamkeit dort gesucht, wo sie billig zu haben ist: im Dagegensein, in der Empörung, in der Schuldzuweisung oder auch in anderen destruktivem Handeln.


Entscheidend ist deshalb weniger, wie viel Freizeit wir haben, sonder ob wir gelernt haben, einen Tag zu ge

stalten, der zu unseren Bedürfnissen passt und uns spüren lässt, dass wir etwas bewirken. Das lässt sich in jedem Alter lernen.

Es beginnt mit einer Haltung, die ich mir selbst erarbeite, und mit einem Anfang, den ich selbst setze. Je weniger Struktur von außen kommt, desto mehr muss an innerere Stabilität vorhanden sein.


Damit arbeite ich: mit Menschen, die meist äußerlich funktionieren oder innerlich auf der Suchen sind, nach etwas, dass ihnen wieder Richtung, Erfüllung und Sinn gibt.


 
 
 

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