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Veränderungsfähigkeit ausbilden statt Change Management betreiben

Veränderungsfähigkeit ausbilden statt Change Management betreiben

vor 4 Tagen
3 Min. Lesezeit

Ein Drittel aller Beschäftigten hat im vergangenen Jahr bis zu 15 größere Veränderungen erlebt. Nicht eine. Nicht zwei. Fünfzehn!! 😮‍💨


Das zeigt der aktuelle Human Capital Trends Report von Deloitte. Und diese Zahl allein sollte reichen, um eine unbequeme Frage zu stellen: „Wie soll ein klassisches Change-Projekt – mit Kick-off, Roadmap, Zielzustand – mit einer Realität umgehen, in der die nächste Veränderung oft schon beginnt, bevor die letzte verdaut ist?“


85 Prozent der Führungskräfte halten es für entscheidend, dass Organisation und Belegschaft in der heute geforderten Geschwindigkeit anpassungsfähig werden. Nur 7 Prozent sehen ihre eigene Organisation dabei als führend. Nur 27 Prozent sagen, dass ihre Organisation Veränderungen insgesamt gut bewältigt. Und nur 8 Prozent halten sich für wirklich wirksam darin, den permanenten Lernbedarf ihrer Leute zu unterstützen.

Diese Lücke ist der eigentliche Befund. Nicht fehlende Change-Modelle. Nicht fehlende Prozesse. Sondern eine Fähigkeit, die den meisten Organisationen fehlt.


Klassisches Change Management war für eine andere Welt gebaut: Ausgangssituation, Veränderungsprozess, neuer stabiler Zustand. Diese Logik bleibt sinnvoll, wenn eine Organisation tatsächlich von A nach B will. Nur ist B in vielen Unternehmen längst kein festes Ziel mehr, sondern eine Momentaufnahme, die sich in wenigen Monaten wieder verschiebt. Wo Veränderung zum Dauerzustand wird, reicht ein Modell, das auf Anfang und Ende ausgelegt ist, allein nicht mehr aus.


Interessant ist dabei, worauf es aus Sicht der Beschäftigten selbst ankommt: 84 Prozent halten es für hilfreich, wenn das Veränderungstempo ihre eigene Belastbarkeit berücksichtigt. 81 Prozent wünschen sich, dass Veränderung stärker an persönliche Motivation und Arbeitsrealität angepasst wird. 80 Prozent sagen, dass emotionale Ansprache ihre Bereitschaft zur Veränderung unterstützt. Das ist keine weiche Randnotiz. Das ist der Kern der Sache: Veränderung wird nicht in Prozessdiagrammen bewältigt, sondern in Köpfen und Nervensystemen von Menschen, die Unsicherheit aushalten sollen, ohne dabei die Handlungsfähigkeit zu verlieren.

Auch bei der KI-Transformation zeigt sich dasselbe Muster von einer anderen Seite. McKinsey berichtete im Juli 2026 nach der Untersuchung von mehr als zwei Dutzend KI-Transformationen, dass die technische Einführung von KI schneller voranschreitet als die Führungsbereitschaft. Der Engpass liegt selten noch in der Technik. Er liegt in Führung, Vertrauen, neu zu verhandelnden Rollen und der Fähigkeit, Arbeit tatsächlich neu zu gestalten. Eine aktuelle Preprint-Studie mit gut 2.200 Beschäftigten einer globalen Beratung – noch nicht begutachtet, entsprechend vorsichtig zu lesen – deutet zudem an, dass psychologische Sicherheit vorhersagte, ob Mitarbeitende überhaupt anfingen, neue KI-Werkzeuge zu nutzen. Auch hier: nicht die Technologie war der limitierende Faktor, sondern das Gefühl, sich in diesem Prozess sicher genug bewegen zu können.

Was daraus folgt, ist aus meiner Sicht eine Verschiebung der eigentlichen Führungsaufgabe. Weniger: die einzelne Veränderung gut managen. Mehr: die grundsätzliche Fähigkeit von Menschen und Organisationen entwickeln, mit Veränderung an sich umzugehen. Selbststeuerung unter Druck. Umgang mit Widerstand – auch dem eigenen. Reflexion eigener Reaktionsmuster, wenn Vertrautes wegbricht. Die Fähigkeit, nach einer Verunsicherung wieder handlungsfähig zu werden, statt in Schockstarre oder Aktionismus zu verfallen. Deloitte nennt das im Report treffend „changefulness“ – eine kontinuierliche organisationale Fähigkeit statt eines gemanagten Einzelereignisses.


Genau aus dieser Beobachtung heraus haben Ralph Goldschmidt und ich unser Führungskräftetraining „Ja zum Wandel – Lust auf Change!“ entwickelt. Nicht als weiteres Modell darüber, wie man Veränderungsprojekte steuert, sondern als Arbeit an genau den Kompetenzen, die Führungskräfte brauchen, um selbst mitten in Veränderung zu stehen und gleichzeitig andere hindurchzuführen.

Dass dieses Training inzwischen unter den Top-3-Finalisten des Europäischen Trainingspreises 2026 des BDVT steht, ist für uns vor allem eine Bestätigung, dass dieser Blick auf Veränderung einen Nerv trifft. Das Finale findet am 20. Oktober 2026 statt.


Die eigentliche Frage bleibt aber unabhängig davon bestehen, und sie richtet sich an jede Führungskraft: Woran erkennst du bei dir selbst, ob du gerade noch veränderungsfähig bist – oder nur noch funktionierst?

 
 
 

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