Ich habe KI ein Wahlprogramm entwerfen lassen. Was machen wir jetzt daraus?
Ich habe eine KI gefragt, wie ein Wahlprogramm aussehen müsste, das Menschen verbindet und Reformen tatsächlich umsetzbar macht. Die Antwort war kein Zaubertrick. Aber sie hat eine Frage sichtbar gemacht, die mich seitdem beschäftigt: Warum nutzen wir KI nicht viel öfter, um politische Ideen auf ihre Wirkung zu prüfen?

Ich weiß nicht, wie intensiv Parteien und Fraktionen KI intern schon einsetzen. In der öffentlichen Debatte höre ich jedoch oft fertige Positionen, bevor das Problem sauber beschrieben ist. Die eine Seite sucht Schuldige. Die andere verspricht Entlastung, ohne zu sagen, wer sie bezahlt. Und Menschen, die mit den Folgen leben müssen, kommen erst spät zu Wort.

Eine andere Frage an die Politik
Was wäre, wenn wir vor einer Reform zunächst gemeinsam fragen: Welches Problem lösen wir genau? Welche Menschen betrifft es? Welche Möglichkeiten gibt es? Was kostet jede davon? Was könnte schiefgehen? Und woran erkennen wir nach zwei Jahren, ob die Entscheidung geholfen hat?
Eine KI könnte dabei Entwürfe vergleichen, Gegenargumente sammeln, Widersprüche aufdecken und komplizierte Folgen verständlich darstellen. Sie könnte zum Beispiel prüfen, ob eine Sozialreform zusätzliche Arbeit wirklich attraktiver macht. Oder ob eine neue Pflicht oder Vorschrift kleinen Betrieben mehr Zeit nimmt, als sie Nutzen bringt. Ihre Ergebnisse müssten Menschen anhand verlässlicher Daten prüfen. Entscheiden und Verantwortung tragen müssen weiterhin gewählte Menschen.
Aus meiner Frage wurde ein Entwurf
Ich habe das Experiment weitergeführt: Wie könnte eine politische Initiative aussehen, die nicht zuerst in Lagern denkt, sondern Freiheit, Sicherheit, Leistung und Zusammenhalt gemeinsam betrachtet? Die Menschen mit wenig Geld ebenso ernst nimmt wie jene, die Arbeitsplätze schaffen? Die Zugewanderte und hier Geborene nicht gegeneinander ausspielt?
Daraus entstand MITEINANDER. Noch keine gegründete Partei und kein fertiges Versprechen. Sondern ein Gründungs- und Programmpapier, das ich als Initiator zur Diskussion stelle. Es geht um Arbeit und Unternehmen, soziale Sicherheit, Migration, Bildung, Wohnen, Rente, Klima und einen Staat, der wieder verständlicher funktioniert. Bei jedem Thema stellt sich auch die Frage der Finanzierung und der praktischen Umsetzung.
Die eigentliche Probe beginnt jetzt
Eine KI kann in Minuten viele Vorschläge formulieren. Daraus wird noch keine gute Politik. Gute Politik entsteht, wenn Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen diese Vorschläge prüfen: eine Pflegekraft, ein Unternehmer, eine Lehrerin, jemand aus der Verwaltung, ein junger Mensch, jemand, der jeden Euro umdrehen muss.
Genau solche Menschen suche ich als Mitmacherinnen und Mitmacher. Mich interessiert nicht, ob Du auf jeder Seite zustimmst. Mich interessiert, wo Du einen Denkfehler siehst, was aus Deinem Alltag fehlt und welchen Kompromiss Du für fair hältst.
Lies das Papier. Widersprich mir. Ergänze es. Vielleicht beginnt Politik von morgen mit einer besseren Frage – und mit Menschen, die bereit sind, die Antwort gemeinsam zu erarbeiten.
Ralf Haake, Initiator von MITEINANDER · Diskussionsstand 29. September 2026




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